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Beeinträchtigen Betablocker die Potenz des Mannes?

Betablocker PotenzHerzerkrankungen lassen sich heutzutage deutlich besser behandeln als noch vor einigen Jahren. Vor allem die modernen Betablocker scheinen wahre Wunder zu bewirken und den Herz-Kreislauf-Patienten sehr viel Lebensqualität zurückzugeben. Allerdings meinen viele Patienten ein neues Phänomen zu beobachten: Durch die Einnahme von Betablockern scheint ihre Libido beeinträchtigt zu sein. Einige Patienten berichten gar von einer kompletten Impotenz. Tatsächlich gibt es hierzu bereits eine erste Studie die belegt: 84% der Männer, die Betablocker einnehmen (müssen), leiden nach der Entlassung aus dem Krankenhaus an erektiler Dysfunktion.

Dieser Wert konnte innerhalb der gesamten Gruppe festgestellt werden, unabhängig davon, welche Betablocker der jeweilige Patient konsumierte. Allerdings weisen die beteiligten Forscher auch darauf hin, dass hier auch der Placebo-Effekt eine Rolle spielen könnte. Patienten, die um das Risiko einer Impotenz wissen, entwickeln eine solche also oftmals auch allein aus diesem Wissen heraus.

 

Die richtige Behandlung von Patienten mit erektiler Dysfunktion bei bestehender Vorerkrankung des Herz-Kreislauf-Systems

Wenn Herz-Kreislauf-Patienten bei ihrem behandelnden Arzt wegen einer neuentstandenen erektilen Dysfunktion vorstellig werden, so gilt in den meisten Fällen: Die kardiovaskuläre Behandlung muss optimiert werden, um auch die Sexualfunktion wieder vollständig herzustellen. Um diese wiederzuerlangen, scheint die Absetzung des Betablockers ein naheliegender Weg zu sein. Allerdings ist dies erst 6 Monate nach der Behandlung des Infarktes ratsam – und auch nur dann, wenn keine weiteren Gründe für einen Betablocker vorliegen. Solche Gründe könnten zum Beispiel eine Herzinsuffizienz oder ein Vorhofflimmern sein.

 

Ist ein Wechsel von Metoprolol zu Carvedilol sinnvoll?

 

Einige Fachärzte empfehlen bei einer erektilen Dysfunktion durch Betablocker dazu, von Metoprolol zum Wirkstoff Carvedilol zu wechseln. Beobachtungen legen nahe, dass bereits dieser Wechsel zu einer Verbesserung der Sexualfunktion führen kann, ohne dass sich der Patient in anderer Hinsicht unwohl fühlen würde. Allerdings kann diese Beobachtung bisher nicht durch wissenschaftliche Fakten untermauert werden.

Bekannt ist, dass Carvedilolals vasodilatierender Beta-Blocker eingestuft wird. Denn es verringert den peripheren Widerstand, indem es an alpha-Adrenozeptoren andockt, ohne die Herzfrequenz zu beeinflussen. Außerdem kann Carvedilol die Produktion von Stickstoff anregen. Dies wirkt sich maßgeblich auf die Muskulatur aus und gilt als ein entscheidender Grundpfeiler beim Zustandekommen einer Erektion.

Aktuell kann nur auf die Daten einer einzigen wissenschaftlichen Studie zurückgegriffen werden, bei der die Auswirkung von Carvedilol auf die männliche Sexualfunktion untersucht wurde. Teilnehmer waren 160 Männer im Alter zwischen 40 und 49 Jahren, bei denen Bluthochdruck diagnostiziert wurde, allerdings ohne dass kardiovaskuläre Vorerkrankungen bekannt waren. Über einen Zeitraum von 16 Wochen wurde den Patienten kontrolliert Carvedilol verabreicht. Hierbei gab es lediglich 15 Berichte einer erektilen Dysfunktion. Die Studie legt also nahe, dass Carvedilol gegenüber anderen Betablockern klare Vorteile mit sich bringen kann.

Carvedilol ist kein kardioselektiver Beta-Blocker, da es an alpha1-, beta1- und beta2-Adrenozeptoren bindet. Atenolol, Bisoprolol und Metoprolol hingegen sind kardioselektiv, da sie eine größere Affinität für Beta1-Adrenozeptoren haben, die vorwiegend im Herzen lokalisiert sind.

 

Wann sind Phosphodiesterase-5-Hemmer bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen geeignet?

 

Bei einigen Patienten mit durch Betablocker bedingter erektiler Dysfunktion kann das Medikament Sildenafil eine Lösung darstellen. Ein Indiz für eine mögliche Umstellung ist, dass der Patient nach überstandenem Infarkt und eingeleiteter Behandlung wieder zwei Treppenstufen ohne Brustschmerzen erklimmen kann. In Großbritannien bestehen allerdings Leitlinien, die eine Behandlung mit Sildenafil innerhalb der ersten 90 Tage nach dem Infarkt generell als nicht empfehlenswert einordnen. Zu beachten ist außerdem, ob Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, etwa Nitraten oder Alpha-Blockern, gegeben sein kann. Der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle.

 

Besteht eine erektile Dysfunktion bei gleichzeitiger Herzinsuffizienz, so kann über eine Behandlung mittels PDE5-Hemmern nachgedacht werden. Dies kann sogar mit einer Erhöhung der Belastungstoleranz zusammenhängen.

Ursprünglich wurden Phosphodiesterase-5-Hemmer für die Behandlung von Angina pectoris und Bluthochdruck entwickelt. Heute finden sie aber Anwendung in der Therapie der erektilen Dysfunktion und in der Behandlung der pulmonalen Hypertonie Anwendung.

Spezifische Leitlinien zur Behandlung einer erektilen Dysfunktion von Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz bestehen nicht. Fachleute erkennen daher Grund zu der Annahme, dass die Behandlung ähnlich erfolgen kann wie bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz. Natürlich sind die spezifischen Unterschiede dennoch nicht außer Acht zu lassen. So wird eine niedrigere Schwelle für die Zurückhaltung der Behandlung mit einem PDE5-Hemmer aufgrund kardiovaskulärer Instabilität empfohlen.

Generell sollte die Einnahme von Phosphodiesterase-5-Hemmer stets eng vom behandelnden Kardiologen begleitet werden. Der Patient ist stets gehalten, ungewöhnliche Beobachtungen seinem Arzt unverzüglich zu melden. In einem dann folgenden Beratungsgespräch kann dann ausführlicher über das weitere Vorgehen gesprochen werden.

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