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Sorgt Paroxetin und ähnliche Medikamente für Impotenz?

Paroxetin ImpotenzDiverse Studien haben nachgewiesen, dass diverse Antidepressiva Ejakulationsstörungen begünstigen und die Libido herabsetzen können. In einer bereits in den 1990er Jahren durchgeführten Studie ging man den umgekehrten Weg: Ist es möglich, eine vorzeitige Ejakulation durch die Gabe von Paroxetin zu behandeln, also zu verzögern? Die Probanden dieser Studie waren 94 normalgewichtige Männer im Alter zwischen 18 und 61 Jahren (bei einem Durchschnittsalter von 39 Jahren), die unter vorzeitigen Ejakulationen litten. Innerhalb des ungewöhnlich langen Zeitraums von Januar 1996 bis März 1997 wurden die Teilnehmer mit oral einzunehmendem Paroxetin-Hydrochlorid, einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), behandelt.

Sämtliche Teilnehmer waren entweder verheiratet oder lebten in einer stabilen Partnerschaft. Die Gruppe A, bestehend aus 64 Studienteilnehmern, wurde anfangs mit 20 mg Paroxetinhydrochlorid behandelt, das täglich einmal gegeben wurde. Bei allen Teilnehmern, die innerhalb von 4 Wochen von einer verbesserten Ejakulationskontrolle berichteten, wurde das Medikament (20 mg) dann rund 3 – 4 Stunden vor dem geplanten Geschlechtsverkehr verabreicht.

Bei den übrigen 30 Männern (Gruppe B) verabreichte man das Medikament in gleicher Dosierung von Anfang an lediglich auf Abruf rund 3 – 4 Stunden vor dem geplanten Sex.

 

Ergebnisse der Studie

Vor Beginn der Studie betrug die durchscnittliche Ejakulationszeit 0,4 Minuten bei durchschnittlich 0,4maligem Geschlechtsverkehr pro Woche. In der Gruppe A konnten diese Werte binnen 4 Wochen signifikant gesteigert werden: Die Zeit bis zur Ejakulation verlängerte sich auf durchschnittlich 4,5 Minuten bei einer Häufigkeit von durchschnittlich 2,4maligem Sex pro Woche. Von den insgesamt 64 Teilnehmern dieser Gruppe betrachteten 53 Probanden ihre Ejakulationskontrolle als verbessert oder gar deutlich verbessert.

Der anschließende Wechsel zu einer Medikamentengabe „auf Abruf“ sorgte wiederum für Veränderungen: Probanden dieser Teilgruppe hatten nun im Durchschnitt 2,6maligen Sex pro Woche, der bis zum Samenerguss rund 3,9 Minuten dauerte. 36 Mitglieder dieser Teilgruppe gaben sogar an, dass sie im Verlauf von weiteren 4 Wochen in der Lage waren, diese Dauer auf 5,5 Minuten zu verlängern. Die anderen Männer indes klagten über eine wieder schlechter werdende Ejakulationskontrolle mit einer Durchschnittszeit von 0,7 Minuten.

Die Gruppe B führte zu anderen Ergebnissen: Die Teilnehmer, die ihr Medikament von Beginn an nur „auf Abruf“ bekamen, lag die Durchschnittsdauer bei 2,2maligem Sex pro Woche bei 1,5 Minuten. Allerdings wurden hier große Ausschläge nach oben wie nach unten verzeichnet.

Unerwünschte Wirkungen wurden lediglich bei jenen Männern beobachtet, die täglich mit Paroxetin behandelt wurden. Bei 5 Probanden blieb die Ejakulation komplett aus, 3 erreichten keinen Orgasmus und 3 sprachen von einer reduzierten Libido. Die oft im Zusammenhang mit Antidepressiva genannte erektile Dysfunktion wurde bei keinem der Probanden festgestellt.

 

Schlussfolgerung:

Die Studie legt die Vermutung nahe, dass Paroxetin ein wirksames Mittel ist, um die vorzeitige Ejakulation zu verhindern beziehungsweise den Liebesakt zu verlängern. Die Leiter der Studie tendieren dazu, es auf Abruf wenige Stunden vor dem Sex zu verabreichen.

 

Erfahrungen aus dem Alltag mit Paroxetin

Sexuelle Frustration ist bei vielen Paaren ein Thema. Dies gilt für gesunde Paare ebenso wie für solche, bei denen ein oder beide Partner unter einer entsprechenden Erkrankung leiden. Oft sind ganz andere Faktoren maßgeblich, etwa Stress, Schlafmangel oder unausgesprochene sexuelle Wünsche. Doch auch Medikamente können eine Rolle spielen. Antidepressiva werden in diesem Zusammenhang häufig genannt. Gilt dies auch für Paroxetin?

Patienten berichten vor allem von der negativen Wirkung diverser Standard-Antidepressiva. Bei der regelmäßigen Einnahme von Paroxetin scheint dies zwar nicht der Fall zu sein – allerdings nur dann nicht, wenn es als alleiniges Medikament gegen die Depressionen eingesetzt wird. In einigen Fällen verschreiben Mediziner allerdings eine Wirkstoffkombination, etwa Clonazepam und Paroxetin. Bei dieser Kombination scheint eine erektile Dysfunktion zwar nicht aufzutreten.

Dafür wirkt hier nicht selten die in obiger Studie beschriebene Orgasmusverzögerung des Paroxetins: Zwar wird eine Erektion erreicht, doch beim Sex stellt sich dann eine Art Taubheit ein, die das Erreichen eines sexuellen Höhepunkts schwierig, manchmal gar unmöglich macht. Darum ist es wichtig, bei derlei Beobachtungen mit dem behandelnden Arzt zu sprechen. Eventuell kann eine andere Wirkstoffkombination gefunden oder die Medikamentendosis entsprechend reduziert werden. Eine eigenmächtige Herabsetzung des fraglos wichtigen Antidepressivums wird natürlich nicht empfohlen.

Generell scheint festzustehen, dass viele Antidepressiva eine erhebliche Wirkung auf die Libido haben, wenngleich dies nicht mit einer verminderten Produktion von Spermien zusammenhängen muss. Dennoch kommen hier diverse Patienten sprichwörtlich vom Regen in die Traufe: Die Tabletten, die eigentlich die Lebensqualität des Betroffenen wiederherstellen sollen, können dessen Sexualleben schlimmstenfalls komplett zerstören.

Dementsprechend wichtig ist es, ab dem Beginn einer Behandlung mit einem Antidepressivum genau auf auftretende Nebenwirkungen zu achten und diese mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Idealerweise wird bereits beim Vorgespräch einer Behandlung mit Antidepressiva offen mit dem Arzt gesprochen, auch wenn dies aus diversen Gründen etwas schwerfallen mag. Doch dann kann man auch als Patient das Medikament Paroxetin ansprechen und vorfühlen, ob es womöglich direkt verschrieben werden kann. Also ohne Umwege über andere Antidepressiva.

 

Studie: Int J Impot Res. 1999 Oct;11(5):241-245; discussion 246.

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