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Wie sich Fluoxetin und andere Antidepressiva auf die männliche Libido auswirken

Fluoxetin Libido PotenzBei Fluoxetin und anderen Antidepressiva gilt als gesichert, dass sich die regelmäßige Einnahme negativ auf die männliche Potenz auswirken kann. Diese Erkenntnisse wurden anfangs durch die Berichte betroffener Patienten gewonnen und in Studien bestätigt. In den USA wurden dazu bereits vor Jahren die Ergebnisse einer placebokontrollierten Doppelblindstudie mit mehreren Gruppen veröffentlicht.

Bereits im Vorfeld der Studie war bekannt, dass Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) einen verzögerten Orgasmus beziehungsweise eine verzögerte Ejakulation bewirken. Weitere Auswirkungen, etwa auf das Lustempfinden des Mannes und die Stärke dieser Erregung wurden bisher zwar beschrieben, jedoch nie wissenschaftlich bestätigt.

In dieser Studie sollten nun die Auswirkungen von 2 SSRls, dem Fluoxetin und dem Citalopram, auf die normale Sexualfunktion des Mannes untersucht werden. Hier ging es insbesondere um die erektile Funktion sowie um die Ejakulation. Die Probanden waren gesunde Männer im Alter von durchschnittlich 29,5 Jahren (+/- 4,9 Jahre). Nach dem Zufallsprinzip wurde den Probanden entweder ein Placeobo (16 Probanden), Fluoxetin (16 Probanden) oder Citalopram (16 Probanden) über einen Zeitraum von insgesamt 3 Wochen verabreicht.

Beim Screening und am Ende der Studie wurden die sexuellen Funktionen der Probanden anhand eines Tests der Peniserektion (TPE) und der Latenzzeit der Masturbationsejakulation (MELT) ermittelt. Währenddessen wurden die Probanden visuell erotisch stimuliert. Außerdem mussten die Probanden bei jeder Kontrolle einen Fragebogen ausfüllen, der sich vor allem mit dem Grad der sexuellen Zufriedenheit befasste.

 

Die Ergebnisse der Studie

In einigen Aspekten konnte die Studie sogar die Fachleute überraschen. So wurde etwa festgestellt, dass sich die Stärke der Erektion durch die Einnahme von Fluoxetin und Citalopram nicht messbar veränderte. Allerdings scheinen sich hier die Fakten und das Empfinden der Probanden zu widersprechen, denn ein großer Teil der Probanden (insbesondere jener, denen Citalopram verabreicht worden war) beurteilte die Erektion als deutlich schwächer.

Dieses Phänomen lässt sich dadurch erklären, dass sich die Ejakulationszeit tatsächlich messbar verzögerte, was die Selbsteinschätzung der Probanden maßgeblich beeinflusste. Auch bei der sexuellen Erregbarkeit beziehungsweise der Lust auf Sex konnte festgestellt werden, dass es lediglich bei den Citalopram-Probanden zu einer deutlichen Abnahme kam.

 

Schlussfolgerungen

Die Studie untermauerte, was die Wissenschaft bereits zuvor beobachten konnte: Die sexuelle Potenz beziehungsweise die Libido kann bei der regelmäßigen Einnahme von Antidepressiva abnehmen. Deutlich wurden hier allerdings die signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Präparaten, wobei bekanntlich jeder Patient anders auf die enthaltenen Wirkstoffe reagiert. Medizinern und Wissenschaftlern helfen die Ergebnisse der Studie, betroffene Patienten besser beraten und medikamentös einstellen zu können.

 

Wie lassen sich Nebenwirkungen auf die sexuelle Leistungsfähigkeit reduzieren?

Studien wie die oben beschriebene liefern wichtige Erkenntnisse, wie sich die Nebenwirkungen auf die Libido reduzieren lassen. Mit den folgenden Tipps sind zwar keine Wunder von heute auf morgen zu erwarten, insgesamt können sie aber zu merklichen Verbesserungen beitragen.

 

Die Dosis reduzieren:

In Absprache mit dem behandelnden Arzt ist es möglicherweise denkbar, die tägliche Wirkstoffdosis des Medikaments zu reduzieren. Natürlich muss hierbei die richtige Balance gefunden werden: Die Depression soll wirksam bekämpft werden, ohne dass dies zu einem kompletten Verlust der Libido beiträgt. Es gibt Beispiele, bei denen etwa die Dosis von Fluoxetin von 20 mg auf 10 oder 5 mg reduziert und genau die beschriebene Balance erreicht wurde.

 

Die Tablette erst nach dem Sex einnehmen:

Die meisten Antidepressiva entfalten ihre größte Wirkung relativ schnell nach der Einnahme der Tablette. Daher kann es hilfreich sein, selbige erst nach dem Sex einzunehmen – auch, wenn dies natürlich Einschränkungen in der Spontaneität mit sich bringt.

 

Zu einem anderen Antidepressivum wechseln:

Während die meisten Antidepressiva, wie bereits beschrieben, negative Auswirkungen auf Libido und Potenz haben können, sind einige Präparate in dieser Hinsicht weniger verdächtig. Medikamente mit dem Wirkstoff Buproprion, bei dem es sich um einen Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI) handelt, können hier einen Lösungsansatz darstellen.

In dieser Wirkungsweise liegt der große Unterschied zu selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs). Es gibt zahlreiche dokumentierte Fälle, in denen ein entsprechender Wechsel die Libido wiederherstellen konnte.

 

Ein zusätzliches Potenzmittel einnehmen:

Potenzfördernde Mittel wie Viagra oder Cialis sind in einigen Fällen in der Lage, die negativen Effekte durch Antidepressiva wettzumachen. Man kann aber auch natürliche Potenzmittel vorher testen. Selbstverständlich kommt es hier auf den Einzelfall an, daher empfiehlt sich ein Beratungsgespräch mit dem behandelnden Arzt.

 

Die Einnahme des Antidepressivums für einen Tag unterbrechen:

Selbstverständlich sollte auch dies nicht ohne Zustimmung des Arztes erfolgen. Bei einigen Antidepressiva ist es aber durchaus möglich, die Einnahme tageweise auszusetzen beziehungsweise das Präparat nur jeden zweiten Tag zu schlucken.

 

Nach alternativen Stimulatoren suchen:

Auch gesunden Menschen, bei denen die sexuelle Lust nachlässt, wird genau dies empfohlen: Durch Sexspielzeug, Reizwäsche oder neue erotische Spielarten lässt sich der erotische Kick häufig ganz neu erleben. Dies gilt auch für Patienten, die ein Antidepressivum einnehmen. Sogar eine Psychotherapie oder Akkupunktur führt in einigen Fällen zu spürbaren erfolgen.

 

Studie: J Sex Med. 2008 Oct;5(10):2431-41. doi: 10.1111/j.1743-6109.2008.00843.x. Epub 2008 Apr 11.

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